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    Aktuelle Kritik: BOPSER 9 im Renitenz-Ensemble

    lisetbild_Bopser9Das Renitenz Haus Ensemble hat einen Knüller gelandet: BOPSER 9 – Die unerträgliche Widerspenstigkeit des Seins, so der lange und neugierig machende Titel. Es geht um eine Hausgemeinschaft, die es in sich hat!

    Hervorragend besetzte Rollen. Der Musiker Michael Krebs, Björn C. Kuhn als der Politiker, Sebastian Weingarten als Hausbesitzer. Claudia Dilay Hauf und Schirin Brendel in den Rollen als Krankenschwester und Managerin gehobener Stellung mit hohen Ambitionen. Der Kabarettist Thilo Seibel, der sich selbst spielt und damit auch sich und andere reale Kollegen etwas auf die Schippe nimmt.

    Immer wieder bleiben tolle Bilder im Gedächtnis der Zuschauer wie Widerhaken hängen. Die beiden Babys hinter einem Vorhang, die kleinen künstlichen Beine baumeln nach vor. Es sind zwei altkluge Kids von ein oder Hans Holzbecher und einem weiteren Texter. Im Gedächtnis bleiben unter anderem der Dialog zweier Babys, die sich intellektuell und witzig über ihre Eltern und deren Schwächen unterhalten, als wären sie selbst lebenserfahrene Erwachsene. Der Gesang ist sehr gut und ausgefeilt, mal ein Solo, mal mehrstimmig im Chor. Dazu hervorragende Texte, die jedem anderen professionellen Texter als Vorbild dienen könnten.

    Geschrieben wurden diese Texte und das gesamte Stück von Thilo Seibel, dem Musiker Michael Krebs, dem Regisseur Hans Holzbecher und einem weiteren Autor.

    Die Begleitung auf dem Klavier ist erstklassig. Da wird neben dem Chorgesang auch kräftig gerappt, das gibt viel Power auf der Bühne! Eines der besten Hausprogramme der letzten Jahre.

    Inhaltlich geht es um Probleme und Lösungen der sechs Hausbewohner. Der Musiker ist in die Krankenschwester verliebt, die ständig auf Grund ihres harten Jobs und unzähligen Überstunden immer wieder einschläft. Der Hausbesitzer kommt mit allen fünf Mietern in Konflikte. Der Kabarettist will unbedingt bei Mercedes mit leicht unterhaltsamen Satiren auftreten. Als er jedoch den Text an dem Abend vergessen hat, legt er mit einer zündende Rede über Autowahn und Kapitalismus los, dass den hohen Herren die Ohren wackeln. Die Managerin scheitert na der nächsten Stufe der Kariere-Leiter, bekommt den angestrebten Spitzenjob nicht, und fühlt sich aber anschließend zum ersten mal seit langer Zeit entspannt und befreit. Jetzt ist sie super drauf und hat durch ihre Kündigung ein völlig ein neues, fast esoterisches Lebensgefühl entdeckt. Ihr Mann, ein gescheiterter Lokalpolitiker, entdeckt seine gute Stimmer und will zukünftig mehr Musik machen. Der Musiker, der sich kaum traut, ein offenes Wort zu seiner Angebeteten zu sagen, gewinnt letztendlich doch Krankenschwester als Partnerin!. Der Hausbesitzer, gespielt vom Renitenz-Intendanten, verändert sich auch, freut sich wie alle auf die kommende, lang geplante Party. Er fühlt sich endlich wie Gleicher unter Gleichen, auch wenn die Anderen mithelfen müssen, dass er nicht in seine alten Verhaltensweisen zurück fällt. Er wird gegen Ende ein sehr liebevoll, freundlicher Kumpel, den man einfach nicht wiedererkennt.

    Insgesamt eine flotte, tiefsinnige Komödie mit einem ernsthaften Anliegen . Z.B wird gegen Ende des ersten Teiles ein Rundschlag über die Entwicklung der Menschheit gespielt, in der Angst eine große Rolle spielt. Etwas Hoffnung bringen in dem gespielten Vortrag die Sechziger Jahre, ein Text der Hoffnung auf eine neue Welt mit Liebe und frei von Angst.

    Am Ende tosender, stehender Applaus. Vier Vorhänge. Danach gibt es von den Darstellern am Ausgang eine Sammlung für medizinische Hilfe in der Ukraine!


    Redaktion: Bruno Schollenbruch





    2023-01-15 | Nr. 118 | Weitere Artikel von: Bruno Schollenbruch





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