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  • Themen-Fokus :: Puppenspiel

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    90 Jahre Salzburger Marionettentheater – ein Rückblick

    Im Salzburger Marionettentheater wird das Repertoire eines großen Opernhauses zu Aufnahmen der weltweit führenden Orchester und Sänger von Marionetten gespielt. Künstler von Weltrang, insbesondere Regisseure und Bühnenbildner, arbeiten immer wieder für die Salzburger Marionetten. So inszenierte hier zuletzt etwa Götz Friedrich Mozarts „Così fan tutte“. Seinen Weltruf verdankt das Marionettentheater, das älter ist als die Salzburger Festspiele, insbesondere seinen zahlreichen Tourneen, die es seit 87 Jahren in die ganze Welt führen.

    Mit einer Aufführung von Mozarts „Bastien und Bastienne“ gründet der Bildhauer Anton Aicher 1913 - sieben Jahre vor den Salzburger Festspielen - das Salzburger Marionettentheater. Er hat mit seinen Vorstellungen so großen Erfolg, dass er noch im Herbst des selben Jahres auf die erste Gastspielreise geht. Das Marionettentheater mietet den Turnsaal des alten Borromäum.

    Das Repertoire wird erweitert, für Kinder werden Märchenspiele inszeniert, im Mittelpunkt steht der Kasperl. Als Hochzeitsgeschenk erhält  Hermann Aicher 1926 von seinem Vater Anton das Marionettentheater. Mit seinen technischen Kenntnissen baut er das Marionettentheater zu einer echten Miniaturbühne aus. In Zusammenarbeit mit dem Mozarteum werden immer anspruchsvollere Opern einstudiert. Bald stehen Mozarts „kleine“ Opern (Apollo und Hyazinth, Schauspieldirektor und andere) auf dem Spielplan.

    In den Jahren 1927-1934 unternimmt das Theater bereits Gastspiele nach Hamburg, Wien, Holland, sowie eine große Balkan-Tournee nach Istanbul, Sofia, und Athen. 1936 folgen Moskau und Leningrad, wo in Sälen mit 2500 Besuchern gespielt wird. Dazu müssen die Marionetten wachsen. Eine besondere Attraktion ist die Marionette nach der legendären Ballerina Anna Pawlowa, die den Sterbenden Schwan tanzt.

    In den Jahren 1940-1944 wird das Theater als Fronttheater eingesetzt. Hermann Aicher wird 1944 zum Militär eingezogen, und das Theater wird geschlossen. Nach Kriegsende 1945 beginnen die Marionetten sofort wieder zu spielen, zunächst für die Besatzungssoldaten. 1947 geben die Marionetten das erste deutschsprachige Gastspiel nach dem Krieg in Paris im renommierten Théâtre des Champs Elysees. Es folgt eine intensive Tournee- und Gastspieltätigkeit, es werden neue Opern inszeniert, allen voran Mozarts fünf „große“ Opern. Der Theatersaal in Salzburg wird behördlich geschlossen, die Marionetten übersiedeln für fast 10 Jahre in den Kapitelsaal im Zentrum der Altstadt.

    1971 wird das neue - erstmals nach eigenen Wünschen gestaltete - Haus in der Schwarzstraße neben dem Mozarteum mit Rossinis „Barbier von Sevilla“ eröffnet. Kurz nach seinem 75.Geburtstag stirbt Hermann Aicher. Das Theater wird von seiner Tochter Gretl Aicher übernommen. Es folgen Gastspiele in ganz Europa, Amerika und Asien, in New York, Paris, Italien, der Schweiz, Hongkong und Japan.

    Zum Mozartjahr 1991 inszeniert Götz Friedrich Mozarts „Così fan tutte“.

    1994/95 werden alle fünf Mozartopern für Fernsehen und Video mit Peter Ustinov als Erzähler eingespielt. 1992-97 entstehen mehrere Koproduktionen mit dem Salzburger Landestheater. 1996 wirken die Salzburger Marionetten erstmals im kleinen Festspielhaus in Webers Oberon bei den Salzburger Festspielen mit.

    1998 gibt es erstmals eine Zusammenarbeit mit den Osterfestspielen Salzburg mit Prokofieffs „Peter und der Wolf“.  Zum 85.Geburtstag der Marionetten wird auf der Festung Hohensalzburg das Museum „Welt der Marionetten“ eröffnet. 2001 feiert das Theater nach langer Zeit wieder die Premiere eines Sprechstücks: „Ein Sommernachtstraum“ von W. Shakespeare. Im Dezember 2003 folgt die Premiere der Oper „Hänsel und Gretel“ von E. Humperdinck.

    Die Puppenspieler sind nicht nur Musiker, sie sind auch echte Theatermenschen, begabt mit dem Geheimnis und der Kraft der Verwandlung. Und diese Kraft muß umso größer sein, je mehr der Einzelne hinter die Puppe zurücktritt, je stärker sein individueller Gestaltungswille von der dargestellten Figur abstrahiert wird. Für Eitelkeit ist unter den Marionetten kein Platz. Ein jeder füllt den Raum, den Werk und Spiel ihm zuweisen, ein jeder muß im Stande sein, innerhalb des genau Festgelegten nicht nur Akteur, sondern ebenso Beleuchter, Requisiteur, Bühnenmeister zu sein oder in Bruchteilen von Sekunden aus einem Charakter in den anderen zu wechseln. Wer je einen Blick hinter die Kulissen einer Aufführung tun durfte, hat in der angespannten Konzentration des Spiels etwas begriffen, was die Musikbühne unserer Tage nahezu völlig verloren hat: die Faszination echten Ensemblegeistes.

    Informationen und Karten:

    Salzburger Marionettentheater
    Schwarzstraße 24
    A-5020 Salzburg
    Tel: +43 662 872406
    Fax: +43 662 882141
    www.marionetten.at

     

     

    Therapeutisches Puppenspiel  - was ist das?

    Dass Puppen mehr als "nur" ein Publikum unterhalten können, ist nichts wirklich Neues. Oft geht eine starke Wirkung von Ihnen aus, die sogar therapeutisch eingesetzt werden kann, zum Beispiel bei der Arbeit mit Kindern. Die Puppe als "Stellvertreter" erleichtert es Kindern wie Erwachsenen auszudrücken, was sie bewegt und Dinge zu sagen, die sonst ungesagt und unausgedrückt bleiben würden. Deshalb war und ist Puppenspiel schon immer Bestandteil der Kinderpsychotherapie. Therapeutisches Puppenspiel setzt sich jedoch erst langsam in den letzten Jahren durch.

    Frau Dr. Gudrun Gauda, Autorin des Fachbuches "Theorie und Praxis des therapeutischen Puppenspiels" und Pressereferentin des Frankfurter Instituts für Gestaltung und Kommunikation, an dem auch Weiterbildungskurse zum Thema "Therapeutisches Puppenspiel" durchgeführt werden, erzählt uns mehr: Für Mitarbeiter in psychosozialen, pädagogischen oder therapeutischen Berufen gehören Rollenspiele und szenische Situationsgestaltungen oft zum Arbeitsalltag. Dabei ist immer wieder festzustellen, dass es für Kinder wie für Erwachsene einfacher ist, durch einen Stellvertreter auszudrücken, was sie sonst vielleicht nicht sagen würden. Puppen helfen auch in vielen anderen Situationen: sie können Kontakte knüpfen; sie können Streit schlichten; sie können neue Erfahrungen wagen; sie dürfen und können alles sagen. Sie trösten und bringen zum Lachen. Sie können ihren Zorn ungezügelt äußern und rühren zu Tränen. Sie sind schüchtern oder vorlaut, klug oder naiv, stark oder schwach, lieb oder böse - ganz nach Bedarf.

    So ist es für viele Menschen einfacher mit einer Puppe auszudrücken, was sie bewegt. Das Spiel mit der Puppe erlaubt es, die Szene selbst zu beherrschen und aktiver Auslöser und Kontrolleur des Geschehens zu sein. Dies geschieht um so leichter, wenn es sich um eine Puppe handelt, die selbst hergestellt ist, die "ein Teil" von mir ist und die dadurch eine sehr viel größere Identifikationsmöglichkeit bietet. Die Puppe bietet gleichzeitig Schutz und eine direkte Form der Aussage, wie sie im Gespräch Mensch zu Mensch oft nicht möglich ist. Diese Erfahrungsmöglichkeiten gelten für die Menschen, mit denen ein Therapeut arbeitet, aber auch für den Therapeuten selbst: auch dem Helfer kann die Puppe eine Hilfe sein. Sie kann durch ihre Vielfältigkeit überall dort eingesetzt werden, wo die Arbeit mit Menschen manchmal nach einem Helfer verlangt.

    Weitere Informationen zum Thema "Therapeutisches Puppenspiel" und insbesondere auch zum Kursangebot finden Sie im Internet unter www.puppenspiel-therapie.de oder direkt bei

    Frau Dr. Gudrun Gauda vom Frankfurter Institut für Gestaltung und Kommunikation.
    Tel./Fax: 069-593467

    Redaktion: Claas Hansen

    2003-06-15 | Nr. 39 | Weitere Artikel von: Claas Hansen





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