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    „Cabaret“ im Stuttgarter Schauspielhaus.

    „Cabaret“

    Musical von Joe Masteroff, John Kander und Fred Ebb.

    Regie: Calixto Bieito

    Ein riesiger Publikumserfolg im Schauspielhaus des Staatstheaters. Ausverkaufte Vorstellungen sind bei diesem Stück der Normalfall. Viele kennen ja noch den Film mit Liza Minelli. Wie setzt man so einen Stoff auf der Bühne um? Schon der Beginn mit dem Conferencier beim Titelsong überrascht. Wie hier der Song Cabaret interpretiert wird, mit großen Variationen von zaghaft bis wild. Man sieht nur den Kopf, und hier wieder eine blau angemalte Zunge, die den Inhalt und die Interpretation unterstreicht. Überzeugend sind seine in vielen Modulationen. Das stimmt auch für das ganze Ensemble bei den meisten Liedern, da werden alle Emotionen von traurig bis vor Freude überschäumend, von nachdenklich bis erotisch gezeigt. Dann stechen die Gruppenchoreographien ins Auge. Das Ganze spielt ja in einer Nachtbar im Jahre 1930 in Berlin. Die Animierungs-Tanzgruppe besteht aus vier Frauen und vier Männern, die als Transvestiten genauso gekleidet sind wie die lasziven Girls.

    Zwischen den Songs die Geschichte zweier Paare, deren Liebe am Ende scheitern muss. Einmal die Zimmerwirtin und ein Obsthändler, deren Verlobung die Wirtin zurücknimmt, weil sie Angst hat, in diesen politisch stürmischen Zeiten einen Juden zu heiraten. Immer wieder schwingt die Angst vor den braunen Schlägertruppen mit. Und dann die Beziehung zwischen Sally und Cliff. Sie beginnt turbulent, dann wird Sally schwanger. Cliff will sie mit nach Paris und später nach Amerika mitnehmen. Doch dann lässt sie eine Abtreibung machen, möchte ihren eigenen Weg in ihrem Beruf weitergehen. Sie zerreißt die Fahrkarte nach Berlin, ein endgültiger Abschied.

    Zwischen diesen Szenen immer wie in jedem Musical viele tolle Songs, mal auf Englisch, mal auf Deutsch, mit Übersetzungen am oberen Rand der Bühne. Die bekanntesten sind neben dem Titelsong „Mein Herr““ und „Money makes the World go round“. Bei diesem Song flattern hunderte von Geldscheinen auf die Bühne, was einmal den Wunsch dieser prekären Gesellschaft symbolisiert und an die Inflationszeiten erinnert. Wunderbaren Bilder entstehen, wenn die Tanzgruppe mit Stühlen arbeitet, mit Servierplatten oder Nachttöpfen, die im Schlussbild im Marschtritt als Kopfbedeckungen genutzt werden. Dazwischen Ruhemomente wie das volksliedhafte Geigensolo von einem der Schauspieler.

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    Die neunköpfige Jazzband begleitet das ganze mit einer Spitzenleistung, mal volle Power, mal ruhig mit zwei Instrumenten. Ob ein erotisches Solo im violetten Baströckchen, ob eine Passage mit Witzen, ob ein Stepptanz, immer wieder gibt es neue Überraschungen, die die darstellerische Vielfalt des Ensembles dokumentieren. Der zweite Teil beginnt mit einer Publikumsanmache des Conferenciers und einem Gewinnspiel fürs Publikum. Der Scheinpreis ist eine Beinprothese, die der Gewinner am Ausgang zurückgibt. Immer wieder schwingen die elementaren Fragen mit: Ist die Welt hin? Wie geht es weiter? Zum Schluss lange, stehende Ovationen, der Dank für einen fast dreistündigen Abend, Begeisterungsrufe, Klatschen, die kein Ende nehmen wollen.

    Foyer Schauspielhaus
    Oberer Schloßgarten 6
    70173 Stuttgart
    Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr
    Samstag 10 bis 14 Uhr (ohne Abo)

    Kartenverkauf: 0711 20 20 -90
    Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr
    Samstag 10 bis 18 Uhr

    Web: Schauspiel-stuttgart.de/karten-abos/

    Fotos: Toni Suter/Staatsschauspiel Stuttgart)
    Gábor Biedermann (Clifford Bradshaw),Paula Skorupa (Sally Bowles)


    Redaktion: Bruno Schollenbruch

    2024-01-20 | Nr. 122 | Weitere Artikel von: Bruno Schollenbruch





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