vom 28. März bis 12. April 2026
Auch in diesem Jahr hat das Theaterhaus ein weitgefächertes Programm auf die Bühne gestellt. Der Schwerpunkt Jazz wird durch einige andere Musikstile etwas erweitert. Von dem Schlagzeuger Wolfgang Haffner mit Jakob Manz und Gästen wie Nils Landgren und Flo Dauner über Piano Solo wie Amaro Freitas oder Abdullah Ibrahim. Oder norwegische Lieder von Rebekka Bakken.
Die Zuschauerauslastung war sehr hoch. Als Beispiele von ausverkauften Konzerten hier zwei Kritiken:
Er wird in diesem Jahr 92. Ibrahim wird von seiner Partnerin im Rollstuhl auf die Bühne geschoben, sie hilft ihm, bis er auf dem Klavierhocker sitzt. Hier hockt er leicht gebeugt und beginnt mit ruhigen Tönen. Sehr meditativ. Für Fans kommen Erinnerungen hoch, die kleine Abschnitte von ähnlich komponierten Songs wiedererkennen. Eine wundervolle CD brachte er noch unter dem Namen Dollar Brand heraus.
Von einem afrikanischen Lied wie „South African Sunshine“ geht es in Soloimprovisationen über. Das war ein Beispiel für seine Arbeitsweise. Ein Anfangsthema, dass dann immer weiter improvisiert wird. An diesem Abend werden nach dem ruhigen Anfang bei einer Temposteigerung verschiedene Melodien in Kurzform angespielt, wobei es nach einem scheinbaren Schlussakkord gleich in das nächste Thema übergeht. Das Publikum im größten Saal des Hauses hört gebannt zu. Diesen Mann im hohen Alter noch mal auf der Bühne zu erleben, ist für alle ein Höhepunkt, den man nicht so schnell wieder vergessen wird.
Zum Abschluss singt er mit seiner leicht brüchigen Stimme ein afrikanische Lied. Tosender Applaus, den er mit ausgestreckten Handflächen entgegen nimmt. Ein weiterer Song als Zugabe beendet des Konzert dieses Mannes, der seit sieben Jahrzehnten auf der Bühne steht und die politische Wende nicht nur mit seinen Liedern, sondern mit einer klaren Anti-Apartheid Haltung unterstützt hat.
Die Künstlerin hat schon mit vielen Stilen gearbeitet, nicht nur mit Jazz, sondern auch mit Pop und mit nordischen Volksliedern. Und wie der Titel „Nord“ schon andeutet, liegt diesmal der Schwerpunkt auf dem Letzteren. Sie singt meistens in ihrer Heimatsprache. Ausgewählt hat sie viele Songs, die sie seit ihrer Kindheit nicht vergessen hat. Da finden sich Kinderlieder neben Balladen, aber auch religiöse Lieder und Melodien, die sie für die Gegenwart bearbeitet hat, gehören zu diesem Program.
Es sind einfache Melodien, die sie mit ihrer wunderbaren Stimme vorträgt. Unterstützt von Keyboard, Stein Austrud, Gitarre, Elvind Aarset, Bass, Svein Schultz, Drums, Rune Arnesen. So entsteht ein Sound mit rhythmischen Passagen und langgezogenen Tönen, der gut zu Volksliedern und selbstkomponierten Songs passt.
Beeindruckend auch a capella Momente, die die nordischen Elemente noch mal verstärken. Dazu passt das weiß gekleidete Bühnenoutfit. Von ihrer vorletzten CD „Always on my mind“ trägt sie in diesem Zusammenhang „Here comes the flood“ vor. Auch hier beginnt sie ruhiger, bevor der Song nach immer weiteren Steigerungen langsam verklingt.
Das Publikum geht konzentriert mit. Die Grenze zwischen Folk und Jazz wird begeistert aufgenommen. Mit langem Applaus, Standing Ovation, geht das Konzert nach mehreren Zugaben zu Ende. Die Künstlerin, die schon öfter im Theaterhaus aufgetreten ist, wird sicherlich bald mal wieder nach Stuttgart zurückkommen!
Veranstaltungsort: Theaterhaus Stuttgart, Siemensstr. 11, 70469 Stuttgart
Web: Programm Stuttgarter-Jazztage
Redaktion: Bruno Schollenbruch
Bildnachweis: Abdullah Ibrahim_Peter Rauch